Verbund

COMPARE - Risikobewertung bei Kindern psychisch kranker Eltern

Kinder psychisch kranker Eltern haben ein erhöhtes Risiko, selbst psychische Erkrankungen zu entwickeln. Geschätzt leben ca. 25% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland mit einem psychisch kranken Elternteil zusammen und sind daher gefährdet. Neben der Entwicklung von psychischen Störungen können diese Kinder auch andere Beeinträchtigungen aufweisen: geringer schulischer Erfolg, Stress-verbundene Krankheiten oder Verhaltensauffälligkeiten. Es ist daher wichtig, den Teufelskreis zwischen der elterlichen psychischen Erkrankung und dem Risiko der Kinder für Beeinträchtigungen zu durchbrechen.

Ziel des Verbundes ist es, herauszufinden, wie die elterliche psychische Störung Einfluss auf die Kinder nimmt. In einer klinischen Studie soll untersucht werden, ob spezielle Interventionen und Elterntrainings diesen Einfluss verändern können. Hierfür arbeiten insgesamt fünf Partner zusammen. 

Für viele Krankheitsbereiche im Kindes- und Jugendalter gibt es noch keine ausreichend wissenschaftlich abgesicherte, entwicklungsstufengerechte Präventions- und Therapieansätze. Auch liegen oft keine geeigneten Instrumente zur Diagnostik psychischer Störungen vor. Der Verbund leistet einen wichtigen Beitrag zu den Zielen der Fördermaßnahme „Forschungsverbünde zur Kinder- und Jugendgesundheit“ im Rahmen der Förderinitiative „Gesund – ein Leben lang“. Aus den gewonnenen Erkenntnissen können sich konkrete Diagnose- und Behandlungsempfehlungen ergeben.

Teilprojekte

Koordination (TP9) - Elterliche Arbeitsbedingungen als Risikofaktor: Übertragungseffekte von Eltern auf Kinder (TP7)

Förderkennzeichen: 01GL1748A
Gesamte Fördersumme: 236.680 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2021
Projektleitung: Prof. Dr. Kathleen Otto
Adresse: Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Psychologie
Gutenbergstr. 18
35037 Marburg

Koordination (TP9) - Elterliche Arbeitsbedingungen als Risikofaktor: Übertragungseffekte von Eltern auf Kinder (TP7)

Der Gesamtverbund des COMPARE Konsortiums widmet sich der Transmission von psychischen Störungen. Psychische Störungen sind sehr häufig, assoziiert mit hohen gesellschaftlichen und ökonomischen Kosten sowie Beeinträchtigung des normalen, beschwerdefreien Lebens durch Krankheit. In Deutschland leben ca. 25 % der Kinder mit einem psychisch kranken Elternteil zusammen. Diese Kinder sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, selber psychische Störungen zu entwickeln. Bisherige Studien zeigten, dass die elterliche Störung eine Welle von Risikofaktoren auslöst, die wiederum das Auftreten psychischer Störungen der Kinder vorhersagt. Studien konnten auch zeigen, dass die effektive Behandlung der elterlichen Störung mit reduzierten psychischen Auffälligkeiten der Kinder zusammenhängt. Nach Studien, die die Eltern-Kind-Interaktion fokussieren, zeichnen sich psychisch erkrankte Eltern durch geringere Erziehungsfertigkeiten aus und die Förderung solcher Fertigkeiten erwies sich als signifikanter Mediator für eine positive Entwicklung der Eltern (Beschreibung Gesamtverbund). Das Hauptziel des Koordinationsprojektes (TP9) des COMPARE Konsortiums ist die Unterstützung der Forschungskooperation und Infrastruktur der beteiligten Subprojekte P1, P2, P3, P7 und P8. Das Teilprojekt TP7 widmet sich den elterlichen Arbeitsbedingungen. Belastungen im Arbeitsleben nehmen kontinuierlich zu. Während es fundiertes Wissen zu den Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz in Bezug auf die psychische Gesundheit von Beschäftigten gibt, stellt sich die Frage, ob nicht auch die Konsequenzen beruflicher Belastungen sich auf Familienangehörige und zwar insbesondere Kinder auswirken? Dieses Projekt untersucht die Frage, inwiefern psychische Symptome bei Kindern durch die Arbeitsbedingungen der Eltern erklärbar sind und ob möglicherweise im Sinne von Abwärtsspiralen durch Übertragungs-Prozesse eine Verschlechterung oder Aufrechterhaltung der Symptomatik entstehen kann.

Effekte qualitativ hochwertiger elterlicher Psychotherapie und eines zusätzlichen Elterntrainings auf die Gesundheit ihrer Kinder (TP1)

Förderkennzeichen: 01GL1748B
Gesamte Fördersumme: 2.045.713 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2021
Projektleitung: Prof. Dr. Hanna Christiansen
Adresse: Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Psychologie
Gutenbergstr. 18
35037 Marburg

Effekte qualitativ hochwertiger elterlicher Psychotherapie und eines zusätzlichen Elterntrainings auf die Gesundheit ihrer Kinder (TP1)

Psychische Störungen sind sehr häufig, assoziiert mit hohen gesellschaftlichen und ökonomischen Kosten sowie Beeinträchtigung des normalen, beschwerdefreien Lebens durch Krankheit. In Deutschland leben ca. 25 % der Kinder mit einem psychisch kranken Elternteil zusammen. Diese Kinder sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, selber psychische Störungen zu entwickeln. Bisherige Studien zeigten, dass die elterliche Störung eine Welle von Risikofaktoren auslöst (Auslösehypothese), die wiederum das Auftreten psychischer Störungen der Kinder vorhersagt (Wachstumshypothese). Studien konnten auch zeigen, dass die effektive Behandlung der elterlichen Störung mit reduzierten psychischen Auffälligkeiten der Kinder zusammenhängt. Nach Studien, die die Eltern-Kind-Interaktion fokussieren, zeichnen sich psychisch erkrankte Eltern durch geringere Erziehungsfertigkeiten aus und die Förderung solcher Fertigkeiten erwies sich als signifikanter Mediator für eine positive Entwicklung der Eltern (Erziehungshypothese). Um den negativen Teufelskreis (die elterliche Erkrankung führt zu psychischen Störungen der Kinder) zu durchbrechen ist das Ziel dieser Studie, die Auswirkungen qualitativ hochwertiger elterlicher Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie/KVT) auf die Kinder zu untersuchen. In einer kontrolliert randomisierten Studie werden die Effekte der KVT mit Effekten durch KVT plus das Positive Parenting Program (PPP; einem evidenzbasierten Elterntraining) verglichen, um mögliche zusätzliche Effekte durch ein Elterntraining zu prüfen. Diese Studie überprüft erstmals die Auslöse- und Wachstumshypothese zusammen mit der Erziehungshypothese und in Zusammenhang mit den assoziierten gesellschaftlichen und ökonomischen Kosten.

Emotionsverarbeitung und -regulation bei Kindern von Eltern mit psychischer Erkrankung (TP2)

Förderkennzeichen: 01GL1748C
Gesamte Fördersumme: 1.078.794 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2021
Projektleitung: Prof. Dr. Christina Schwenck
Adresse: Justus-Liebig-Universität Gießen, FB 06 - Psychologie und Sportwissenschaft
Otto-Behaghel-Str. 10, Haus F
35394 Gießen

Emotionsverarbeitung und -regulation bei Kindern von Eltern mit psychischer Erkrankung (TP2)

In diesem Teilprojekt (2) sollen Emotionsverarbeitung und -regulation mit unterschiedlichen Methoden bei Kindern psychisch kranker Eltern untersucht werden. Dazu werden mit den Kindern verschiedene Experimente durchgeführt, bei denen neben Verhaltensdaten (Art der Reaktion, Reaktionszeiten, Mimikry) auch peripherphysiologische Marker wie die Hautleitfähigkeit und Herzrate sowie neurofunktionelle und -strukturelle Daten mittels (funktioneller) Magnetresonanztomographie erfasst werden. Zur Untersuchung des trans-generationalen Transmissionsmodells psychischer Störungen werden eine Stichprobe von Kindern mit psychisch erkrankten Eltern mit einer Stichprobe von Kindern mit gesunden Eltern verglichen. Weiterhin dienen die Maße als Endpunkte für die randomisierte klinische Studie aus Teilprojekt P1. Schlussendlich sollen sie ebenfalls in ihrer Eigenschaft als Prädiktoren für Therapieerfolg untersucht werden.

Transmissionswege zwischen mütterlichen peripartalen Depressionen und komorbiden Angststörungen und der kindlichen sozio-emotionalen und kognitiven Entwicklung (TP3)

Förderkennzeichen: 01GL1748D
Gesamte Fördersumme: 449.830 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2021
Projektleitung: Prof. Dr. Corinna Reck
Adresse: Ludwig-Maximilians-Universität München, Fakultät für Psychologie und Pädagogik, Department für Psychologie
Leopoldstr. 13
80802 München

Transmissionswege zwischen mütterlichen peripartalen Depressionen und komorbiden Angststörungen und der kindlichen sozio-emotionalen und kognitiven Entwicklung (TP3)

Im Rahmen der geplanten Studie werden Frauen mit peripartalen Depressionen mit und ohne komorbiden Angsterkrankungen und deren Kinder über die ersten zwei Lebensjahre in einem prospektiven Kontrollgruppendesign zu vier Messzeitpunkten untersucht. Hierbei werden zusätzlich die Väter in die Untersuchungen einbezogen. Die Studie legt einen besonderen Fokus auf intergenerationale Transmissionswege zwischen mütterlicher Psychopathologie (Depression, komorbide Depression und Angsterkrankung, gesunde Kontrollgruppe) und kindlicher Entwicklung (sozio-emotional und kognitiv); es sollen hierbei die Eltern-Kind-Interaktion und die Stress-Achsen-Aktivität als mögliche Transmissionswege analysiert werden. Der Verlauf mütterlicher Depressionen und Angststörungen sowie der Erkrankungszeitpunkt, die Chronizität und der Schweregrad sollen ebenfalls berücksichtigt werden. Dieses durch die Studie generierte Wissen ermöglicht die Implementation zukünftiger Präventions- und Interventionsansätze.

Untersuchung des Schulerfolges, der psychosozialen Anpassung sowie des subjektiven Wohlbefindens von Kindern psychisch kranker Eltern (TP8)

Förderkennzeichen: 01GL1748E
Gesamte Fördersumme: 311.282 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2021
Projektleitung: Prof. Dr. Ricarda Steinmayr
Adresse: Technische Universität Dortmund, Fakultät 12 Erziehungswissenschaft, Psychologie u. Soziologie, Institut für Psychologie
Emil-Figge-Str. 50
44227 Dortmund

Untersuchung des Schulerfolges, der psychosozialen Anpassung sowie des subjektiven Wohlbefindens von Kindern psychisch kranker Eltern (TP8)

Kinder psychisch kranker Eltern haben nicht nur ein erhöhtes Risiko, selbst psychisch zu erkranken, sondern sie weisen auch in anderen für die allgemeine Gesundheit relevante Variablen Auffälligkeiten auf. COMPARE-SCHOOL überprüft die Auswirkungen einer elterlichen psychischen Erkrankung auf den Schulerfolg, die psychosoziale Anpassung sowie das allgemeine und bereichsspezifische Wohlbefinden von Kindern psychisch kranker Eltern. Hierfür wird eine hinsichtlich Alter, Geschlecht und sozioökonomischem Hintergrund parallelisierte schulische Kontrollstichprobe rekrutiert, deren Angaben mit denen der Kinder psychisch kranker Kinder verglichen werden. Darüber hinaus ist es ein Ziel von COMPARE-SCHOOL zu untersuchen, welche Faktoren sowohl auf Seiten der Kinder (z.B. Temperament) als auch auf Seiten der Eltern (z.B. Erziehungsverhalten) dazu beitragen, dass die elterliche psychische Erkrankung negative Auswirkungen auf ihre Kinder hat (Transmission). In diesem Zusammenhang wird untersucht, ob die Art der elterlichen psychischen Erkrankung sowie das Geschlecht des erkrankten Elternteils spezifische Auswirkungen auf die Kinder haben. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Identifizierung von Kindern, die trotz der elterlichen Erkrankung schulisch erfolgreich sowie psychosozial gut angepasst sind und über ein hohes subjektives Wohlbefinden verfügen, um so Hinweise auf etwaige Schutzfaktoren zu erlangen. Durch die Ermittlung von entsprechenden Faktoren sollen Hinweise für die weitere Entwicklung von Präventionsmaßnahmen für Kinder psychisch kranker Eltern gewonnen werden. Letztendlich werden auch die Auswirkungen der im Rahmen von COMPARE durchgeführten Interventionen auf Variablen des Schulerfolgs, der psychosozialen Anpassung sowie das allgemeine und subjektive Wohlbefinden sowohl vor als auch nach der Intervention überprüft.