Verbund

Affektive Dysregulation - Optimierung von Prävention und Therapie (ADOPT)

Reagiert ein Kind auf verschiedene negative Ereignisse sehr häufig besonders empfindlich und mit besonders starken Gefühlsausbrüchen, starkem Ärger und/oder hoher Aggressivität, so spricht man von affektiver Dysregulation. Affektive Dysregulation spielt als Symptom bei verschiedenen psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter eine zentrale Rolle und beeinträchtigt die Betroffenen oft sehr. Darum ist es wichtig, die Behandlung von affektiver Dysregulation weiter zu verbessern und somit die Belastung für die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu reduzieren.

Ziel des Verbundes ist es, die Häufigkeit und Ausprägung der affektiven Dysregulation sowie mögliche Faktoren, die Einfluss auf die Störung nehmen, besser zu beschreiben. Darüber hinaus sollen Methoden zu ihrer Diagnostik weiterentwickelt und eine stufenweise individualisierte Behandlung konzipiert und evaluiert werden. Letztere soll aus einem einfach erreichbaren internet-basierten Training für die Eltern betroffener Kinder und einem Behandlungsprogramm zur intensiven ambulanten Psychotherapie bestehen. Hierfür arbeiten insgesamt sechs Partner zusammen.

Wie im Falle der affektiven Dysregulation gibt es zu vielen Krankheitsbereichen im Kindes- und Jugendalter noch keine ausreichend wissenschaftlich abgesicherten, entwicklungsstufengerechten Präventions- und Therapieansätze. Auch liegen oft keine geeigneten Instrumente zur Diagnostik psychischer Störungen vor. Damit leistet der Verbund einen wichtigen Beitrag zu den Zielen der Fördermaßnahme „Forschungsverbünde zur Kinder- und Jugendgesundheit“ im Rahmen der Förderinitiative „Gesund – ein Leben lang“. Aus den gewonnenen Erkenntnissen können sich konkrete Diagnose- und Behandlungsempfehlungen oder auch Empfehlungen zur Durchführung weiterer Forschungsprojekte ergeben.

Teilprojekte

TP 1: Koordination

Förderkennzeichen: 01GL1741A
Gesamte Fördersumme: 707.375 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2021
Projektleitung: Prof. Dr. Manfred Döpfner
Adresse: Universität zu Köln, Medizinische Fakultät, Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Robert-Koch-Str. 10
50931 Köln

TP 1: Koordination

Affektive Dysregulation im Sinne einer übermäßigen Reaktivität auf negative Stimuli mit einer affektiven (Ärgergefühle) und einer verhaltensbezogenen (aggressives Verhalten) Komponente spielt als diagnoseübergreifendes Symptom im Rahmen von verschiedenen psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter eine zentrale Rolle. Mit der Verbundstudie sollen Erkenntnisse zur Epidemiologie und zu neurobiologischen, neuropsychologischen und psychosozialen Risiken gewonnen und die Diagnostik und präventive sowie therapeutische Interventionen verbessert werden. In drei randomisierten Kontrollgruppenstudien, die an mehreren Studienstandorten durchgeführt werden, soll mit einem stufenweisen Präventions- und Behandlungsansatz ein Beitrag zur Optimierung von Prävention und Behandlung der affektiven Dysregulation geleistet werden.

TP 2: Erfassung und Epidemiologie Affektiver Dysregulation

Förderkennzeichen: 01GL1741B
Gesamte Fördersumme: 723.839 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2021
Projektleitung: Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer
Adresse: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik
Martinistr. 52
20251 Hamburg

TP 2: Erfassung und Epidemiologie Affektiver Dysregulation

Dieses Projekt ist verantwortlich für die Entwicklung von Erfassungsinstrumenten für AD zum Einsatz innerhalb des ADOPT Verbundprojektes sowie in der zukünftigen Forschung und klinischen Routine. Dieses Projekt erhebt darüber hinaus Daten in dem Verbundprojekt und analysiert gesammelte Daten des Verbundprojektes (zu T1 und zu Folgeerhebungen) unbehandelter Kinder mit und ohne AD. Darüber hinaus wird dieses Projekt eine Plattform bieten zur Verbreitung von Informationen und Befunden aus dem Verbundprojekt.

TP 3: Neurobiologie und Neuropsychologie bei affektiver Dysregulation

Förderkennzeichen: 01GL1741C
Gesamte Fördersumme: 560.108 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2021
Projektleitung: Prof. Dr. Veit Rößner
Adresse: Technische Universität Dresden, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Fetscherstr. 74
01307 Dresden

TP 3: Neurobiologie und Neuropsychologie bei affektiver Dysregulation

Störungen der Kontrollierbarkeit von Emotionen und Affekten sind ein weitreichendes Problem im Kindes- und Jugendalter und stellt eine Problematik von hoher klinischer Relevanz dar. Die hirnphysiologischen Mechanismen, welche diese Störungen mit beeinflussen sind aber bislang ungeklärt. Ziel des Projektes ist, diese neurobiologischen Hintergründe zu erfassen. Hierzu sollen Patienten mit Affektiver Dysregulation mit unterschiedlichen Tests untersucht werden, welche die Störungen in der Affektregulation untersuchen. Dabei werden mittels EEG die Hirnströme aufgezeichnet und analysiert, weiterhin wird mittels funktioneller Magnetresonanztomographie untersucht, welche Hirnregionen bei diesen Patienten Veränderungen in der Verarbeitung emotionaler Informationen aufweisen. Auf dieser Basis sollen anschließend Vorhersagen über die Kompetenz der betroffenen Kinder und Jugendlichen in alltäglichen, emotional herausfordernden Situationen ableitbar werden. Die TU Dresden ist darüber hinaus an den Teilprojekten ADOPT-Epidemiology, ADOPT-Online, ADOPT-Treatment und ADOPT-Institution beteiligt.

TP 4: Anpassung und Evaluation eines bestehenden Internet- basierten Elterntrainings für Eltern von Kindern mit affektiver Dysregulation

Förderkennzeichen: 01GL1741D
Gesamte Fördersumme: 667.291 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2021
Projektleitung: Prof. Dr. Charlotte Hanisch
Adresse: Universität zu Köln, Humanwissenschaftliche Fakultät, Department Heilpädagogik und Rehabilitation
Klosterstr. 79a
50931 Köln

TP 4: Anpassung und Evaluation eines bestehenden Internet- basierten Elterntrainings für Eltern von Kindern mit affektiver Dysregulation

Affektive Dysregulation und Irritierbarkeit beschreiben das Auftreten übermäßiger Ärgergefühle und aggressiven Verhaltens und spielen bei verschiedenen psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter eine zentrale Rolle. Eine effektive psychotherapeutische Behandlung kombiniert Erziehungstrainings für die Eltern- und Kind-zentrierte kognitiv-behaviorale Interventionen. Bisher konzentrieren sich therapeutische Maßnahmen eher auf proaktives aggressives Verhalten und weniger auf affektive Dysregulation, Irritierbarkeit oder Ärger. Ziel des Vorhabens ist es, eine bereits bestehende online-Version eines Elterntrainings zur Reduzierung von kindlichem Problemverhalten an die Bedarfe von Eltern von 8 - 12-jährigen Kindern mit affektiver Dysregulation anzupassen und die Trainingseffekte mit einer Gruppe zu vergleichen, die sich in eine Routine-Behandlung begibt.

TP 5: Wirksamkeitsüberprüfung einer individualisierten, modularen Behandlung von Kindern mit affektiver Dysregulation und komorbiden Störungen

Förderkennzeichen: 01GL1741E
Gesamte Fördersumme: 722.638 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2021
Projektleitung: Dr. Anja Görtz-Dorten
Adresse: Universität zu Köln, Medizinische Fakultät, Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Robert-Koch-Str. 10
50931 Köln

TP 5: Wirksamkeitsüberprüfung einer individualisierten, modularen Behandlung von Kindern mit affektiver Dysregulation und komorbiden Störungen

Affektive Dysregulation im Sinne einer übermäßigen Reaktivität auf negative Stimuli mit einer affektiven (Ärgergefühle) und einer verhaltensbezogenen (aggressives Verhalten) Komponente spielt als diagnoseübergreifendende Symptomatik im Rahmen von verschiedenen psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter eine zentrale Rolle und ihre Therapie ist bislang wenig evaluiert. Die individualisierte, modular aufgebaute Behandlung von Kindern mit affektiver Dysregulation und komorbiden Störungen beinhaltet zehn kognitiv-verhaltenstherapeutische Module, die auf empirisch evaluierten deutschen Behandlungsprogrammen basieren und ein Pharmakotherapie-Modul mit Psychostimulanzien für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen. Hauptziele der randomisierten Kontrollgruppenstudie sind 1) die Wirksamkeitsüberprüfung der individualisierten, modular aufgebauten Behandlung (24 Sitzungen) im Vergleich zur Routinetherapie von Kindern im Alter von 8 bis 12 Jahren mit substantiellen Residualsymptomen von affektiver Dysregulation nach einem internetbasierten Elterntraining (aus dem Teilprojekt ADOPT-online) und 2) die Evaluation von Moderatoren, Mediatoren, sowie 3) die Stabilität der Therapieergebnisse. Der primäre Ergebnisparameter ist das verblindete klinische Urteil für affektive Dysregulation, basierend auf einem Elterninterview.

TP 6: Wirksamkeit eines personalisierten modulbasierten ambulanten Behandlungsprogramms für affektive Dysregulation und komorbide Störungen bei Heim- und Pflegekindern

Förderkennzeichen: 01GL1741F
Gesamte Fördersumme: 440.600 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2021
Projektleitung: Prof. Dr. Jörg Fegert
Adresse: Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie
Steinhövelstr. 5
89075 Ulm

TP 6: Wirksamkeit eines personalisierten modulbasierten ambulanten Behandlungsprogramms für affektive Dysregulation und komorbide Störungen bei Heim- und Pflegekindern

Affektive Dysregulation (AD) ist eine transdiagnostische Dimension, die eine übermäßige Reaktion auf der emotionalen (Ärger/Wut) und der Verhaltensebene (Aggression) auf negative besetzte emotionale Stimuli beschreibt. Das Konzept passt in das Konzept der NIMH Research Domain Criteria, da es sich um ein dimensionales Konstrukt handelt, das über mehrere Diagnosen hinweg auftritt. Symptome einer AD sind ein häufiger Grund, warum Kinder in Jugendhilfe/Pflegeverhältnissen einen schlechten generellen Outcome nach diesen Maßnahmen haben und multiple Platzierungen aufweisen, sowie ein erhöhtes Risiko für Delinquenz und Substanzabusus haben. Mittels eines personalisierten modulbasierten ambulanten Behandlungsprogramms für AD und komorbide Störungen sollen Kinder im Alter von 8 - 12 Jahren, die in Jugendhilfeeinrichtungen oder in Pflegeverhältnissen leben und die die Kriterien für AD erfüllen, behandelt werden. Die Kontrollgruppe erhält treatment as usual (TAU). Ca. 750 Kinder werden mit Skalen und Instrumenten gescreent (T0), die in ADOPT-epidemiology entwickelt und validiert wurden. Es wird erwartet, dass ca. 25% der Kinder die Kriterien erfüllen, da bei dieser Gruppe die Prävalenz für die Symptomatik deutlich höher ist. Bei Auffälligkeit werden die Kinder zu T1 randomisiert (1:1) zur Intervention (n=83) und TAU (n=83) zugeordnet. Von den Kindern, die die Kriterien für AD nicht erfüllen wird eine Kohorte (n= 80) nachverfolgt. Die Interventionsgruppe erhält eine personalisierte ambulante Intervention, die auf zehn evidenzbasierten Therapie-Modulen aufbaut. Die individuellen Therapiebausteine werden entsprechend einem Entscheidungsalgorithmus nach der Symptomatik und den Problembereichen des Kindes ausgewählt. Es sind 24 Sitzungen geplant. Die Dauer pro Patient beträgt 36 Wochen mit einem Follow-up von acht Monaten nach Ende der Intervention.