Forschung gestalten

Infektionsforschung

Das Coronavirus Sars-CoV-2 stellt die Gesundheitssysteme weltweit vor bislang ungekannte Herausforderungen. Dies zeigt: Die Bekämpfung von Infektionskrankheiten ist nach wie vor von besonderer gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Bedeutung.

Coronavirus

Das neue SARS-Coronavirus-2 unter dem Elektronenmikroskop (Maßstab: 100 nm).

Robert Koch-Institut

Ausbreitung gefährlicher Infektionskrankheiten national und weltweit eindämmen

Ohne zügiges und kontinuierliches Gegensteuern haben Infektionen das Potenzial, für die Menschheit eine größere Bedrohung zu werden als zum Beispiel Krebserkrankungen. Im Fall einer Epidemie sind vor allem unmittelbares medizinisches Handeln und enge Überwachung nötig, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Benötigt wird aber ebenfalls eine unmittelbar einsetzende epidemiologische Forschung, die Verbreitungswege aufzeigt, Kontaktpersonen von Erkrankten ermittelt und so wichtige Daten für den gezielten Einsatz von Gesundheitsinterventionen liefert.

Weltweit werden die Erforschung des neuartigen Coronavirus und die Entwicklung eines möglichen Impfstoffes derzeit mit Hochdruck vorangetrieben. Einer der maßgeblichen Akteure dabei ist die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“ (CEPI), eine 2017 gegründete internationale Impfstoff-Initiative, an der sich auch Deutschland beteiligt. In enger Abstimmung mit der WHO hat CEPI sich zum Ziel gesetzt, einen ersten Impfstoff gegen Sars-CoV-2 innerhalb weniger Monate und damit deutlich schneller als üblich in die klinische Erprobung zu bringen.

CEPI ist eine öffentlich-private Partnerschaft, in der sowohl staatliche Förderer als auch Stiftungen, Forschungseinrichtungen und Pharma-Unternehmen zusammenarbeiten. Deutschland ist eines der Gründungsmitglieder und hat CEPI bislang mit insgesamt 90 Millionen Euro unterstützt. Am 11. März 2020 stellte der Haushaltsausschuss des Bundestages zusätzlich 145 Millionen Euro für die Forschung zum Coronavirus bereit, wovon das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 140 Millionen Euro in die Unterstützung von CEPI einfließen lässt.

Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI)

Die „Global Research Collaboration for Infectious Disease Preparedness” (GloPID-R) ist ebenfalls eine Plattform, in der sich internationale Forschungsförderer zusammengefunden haben, um im Falle einer Epidemie schnell und unkompliziert Forschungsantworten initiieren zu können. So sollen so im Ausbruchsfall die exzellenten Forschungsinstitutionen informiert und schnell und in einer konzertierten Weise die relevanten Forschungsfragen adressieren können. In GloPID-R werden hierzu die fördertechnischen Rahmenbedingungen geschaffen.

Global Research Collaboration for Infectious Disease Preparedness (GloPID-R)

Internationale Zusammenarbeit ausbauen

Die weltweite Verbreitung des neuartigen Coronavirus macht deutlich, dass die zukünftige Infektionsforschung vielfältigen Anforderungen genügen muss. Die Wirkstoffentwicklung gegen noch nicht (hinreichend) behandelbare Erreger, der Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen und die weitere Erforschung zoonotischer Infektionskrankheiten müssen verstärkt mit der Forschung zur Ausbruchsprävention und -bekämpfung sowie Implementierungsforschung Hand in Hand gehen. Um mit den vorhandenen Ressourcen die bestmöglichen Erfolge zu erzielen, müssen interdisziplinäre Kooperationen sowohl auf nationaler Ebene als auch in internationaler Zusammenarbeit intensiviert werden.

Der globalen Bedrohung durch Antibiotika-Resistenzen beispielsweise widmet sich eine europäische Initiative der gemeinsamen Programmplanung (JPI): Die „Joint Programming Initiative on Antimicrobial Resistance“ (JPIAMR) verknüpft Forschungsansätze zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen.

Geförderte Projekte - Internationale Kooperation - JPI AMR 2019 - 2022

Die Produktentwicklungspartnerschaft Global Antibiotic Research & Development Partnership“ (GARDP) beschäftigt sich mit Innovationen für Krankheiten mit antimikrobiellen Resistenzen vor allem im Bereich der öffentlichen Gesundheit.

Mit der Gründung des Global Antimicrobial Resistance Research and Development Hub (Global AMR R&D Hub), einer internationalen Plattform zur Forschungskoordination und -intensivierung, wurde zudem die Forschung zu antimikrobiellen Resistenzen auf eine globale Ebene gehoben. Der Global AMR R&D Hub bringt Regierungen und große Fördermittelgeber unterschiedlicher Weltregionen zusammen, um sich auf politischer Ebene zum Thema Forschung und Entwicklung zu antimikrobiellen Resistenzen gegenseitig zu informieren und zu koordinieren.

Geförderte Projekte - Internationale Kooperation - Global AMR R&D Hub

Frankreich und Deutschland haben sich im Sommer 2018 dazu entschlossen, die Bekämpfung von antimikrobiellen Resistenzen auf einer globalen Ebene fortzusetzen. Sie wollen damit Europa für eine der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts stärken und die europäische Forschungslandschaft weiterentwickeln. Durch zwei gemeinsame Förderrichtlinien sollen deutsch-französische Forschungskooperationen ermöglicht werden, die gemeinsame Projekte zum Thema AMR bei humanen Infektionen und „One Health“ bearbeiten.

„One Health“: Forschung berücksichtigt Human- und Veterinärmedizin

Gerade aber auch in den Zeiten zwischen Krankheitsausbrüchen ist Forschung unerlässlich. Denn dann müssen die Weichen für die Verhinderung oder Begrenzung der nächsten Ausbrüche gestellt werden. Es gilt, dringend benötigte Arzneimittel und diagnostische Werkzeuge weiterzuentwickeln und die Faktoren in Umwelt und Gesellschaft zu untersuchen, die Ausbrüchen Vorschub leisten. So werden beispielsweise im Rahmen der zivilen Sicherheitsforschung effektive und schnellere Detektionssysteme entwickelt, die dazu beitragen, die Ausbreitung gefährlicher Substanzen in Trinkwasser und Lebensmitteln und damit die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern. Insgesamt ist eine verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizin sowie Umwelt- und weiteren Naturwissenschaften im Sinne des One Health-Ansatzes notwendig.

Etwa zwei Drittel aller Infektionskrankheiten sind sogenannte „Zoonosen“, das heißt Infektionskrankheiten, die von Erregern verursacht werden, die wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragbar sind. Oft werden Infektionskrankheiten durch Insekten, wie Stechmücken, übertragen, die aufgrund der Klimaänderungen auch schon in Deutschland nachgewiesen werden konnten. Die Erforschung von Zoonosen dient dem Gesundheitsschutz von Mensch und Tier und ist daher von besonderer gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Bedeutung.

Gemäß dem „One Health“-Konzept arbeiten die Weltgesundheitsorganisation, die Weltorganisation für Tiergesundheit, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sowie die Global Alliance for Rabies Control als „United Against Rabies Collaboration“ im Rahmen der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen an einem gemeinsamen Aktionsplan „Zero by 30“, um die Hundetollwut und die durch sie verursachten menschlichen Opfer zu stoppen. Auch werden schon in einigen Ländern gemeinsame Ausbildungsmaßnahmen für den Human-, Tier- und den Umweltbereich durchgeführt, um Krankheitsbekämpfung über alle drei Bereiche zu optimieren. Zukünftig wird die Forschungsförderung verstärkt Implementierungsforschung und Public Health-Aspekte in Entwicklungs- und Schwellenländern in den Blick nehmen.

Nationale Forschung bündeln

Das „Nationale Forschungsnetz zoonotische Infektionskrankheiten“ vernetzt Forschungsverbünde, Nachwuchsgruppen und Einzelprojekte, die zwischen Tieren und Menschen übertragbare Krankheiten erforschen. Die Vernetzung der Forschenden trägt auch dazu bei, plötzliche Krankheitsausbrüche durch Notfallmaßnahmen künftig schneller beherrschen zu können.

Nationales Forschungsnetz zoonotischeInfektionskrankheiten

Als übergeordnete Struktur für die Zoonosenforschung führt die „Nationale Forschungsplattform für Zoonosen“ die Zoonosenforscherinnen und -forscher in Deutschland zusammen.

Nationale Forschungsplattform für Zoonosen

und www.zoonosen.net.

Das vom BMBF gegründete Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) vereinigt die Aktivitäten von Universitäten, Bundesforschungseinrichtungen und außeruniversitären Instituten unter einem Dach. So können groß angelegte Infektionsforschungsprojekte gemeinsam effektiv durchgeführt werden. Das Zentrum widmet sich vordringlichen Themen der Infektionsforschung, wie zum Beispiel auch der Forschung zu antimikrobiellen Resistenzen in mehreren Abteilungen. Im Bereich der vernachlässigten und armutsassoziierten Krankheiten wird an Malaria, AIDS und Tuberkulose geforscht. Gemeinsam mit afrikanischen Partnerinstituten baut das DZIF in Afrika Forschungskapazitäten auf, die für den Kampf gegen diese Krankheiten und bei Ausbrüchen neuartiger Infektionen wie Ebola wichtig sind.

Wissenschaftlichen Nachwuchs in der Infektionsforschung stärken

Um Erkenntnisse zur Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten zu generieren und Innovationen für die klinische Praxis zu entwickeln, muss die wissenschaftliche Basis in Deutschland in der Infektionsforschung gestärkt werden. Zu diesem Ziel fördert das BMBF den Karriereweg qualifizierter Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in der klinischen und anwendungsorientierten Infektionsforschung. Die Förderung von Nachwuchsgruppen in der Infektionsforschung soll dem besonders geeigneten wissenschaftlichen Nachwuchs die Möglichkeit geben, sich im Wissenschaftssystem zu etablieren und dazu beitragen, die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern in der Infektionsforschung zu stärken.