Infektionsforschung

In vielen Weltregionen sind Infektionskrankheiten wie Ebola und Vogelgrippe weiterhin lebensbedrohlich. Auch in Deutschland zählen Infektionen, zum Beispiel als Komplikationen nach Operationen oder bei immungeschwächten Patienten, zu den Haupttodesursachen.

Antibiotikaresistenzen nehmen zu. Weltweit sind sie ein wichtiges Thema der Infektionsforschung.

Antibiotikaresistenzen nehmen zu. Weltweit sind sie ein wichtiges Thema der Infektionsforschung.

Thinkstock

Ausbreitung gefährlicher Infektionskrankheiten national und weltweit eindämmen

Die Bekämpfung von Infektionskrankheiten dient dem Gesundheitsschutz von Mensch und Tier und ist daher von besonderer gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Ohne zügiges und kontinuierliches Gegensteuern haben Infektionen das Potenzial, für die Menschheit eine größere Bedrohung zu werden als zum Beispiel Krebserkrankungen. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation gehen von künftig bis zu 10 Millionen Todesfällen jährlich aus. Im Fall einer Epidemie sind vor allem unmittelbares medizinisches Handeln und enge Überwachung nötig, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Benötigt wird aber ebenfalls eine unmittelbar einsetzende epidemiologische Forschung, die Verbreitungswege aufzeigt, Kontaktpersonen von Erkrankten ermittelt und so wichtige Daten für den gezielten Einsatz von Gesundheitsinterventionen liefert.

„One Health“: Forschung berücksichtigt Human- und Veterinärmedizin

Vor allem in den Zeiten zwischen Krankheitsausbrüchen ist Forschung unerlässlich. Denn dann müssen die Weichen für die Verhinderung oder Begrenzung der nächsten Ausbrüche gestellt werden. Es gilt, dringend benötigte Arzneimittel und diagnostische Werkzeuge weiterzuentwickeln und die Faktoren in Umwelt und Gesellschaft zu untersuchen, die Ausbrüchen Vorschub leisten. So werden beispielsweise im Rahmen der zivilen Sicherheitsforschung effektive und schnellere Detektionssysteme entwickelt, die dazu beitragen, die Ausbreitung gefährlicher Substanzen in Trinkwasser und Lebensmitteln und damit die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern. Insgesamt ist eine verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizin sowie Umwelt- und weiteren Naturwissenschaften im Sinne des One Health-Ansatzes notwendig.

Etwa zwei Drittel aller Infektionskrankheiten sind sogenannte „Zoonosen“, das heißt Infektionskrankheiten, die von Erregern verursacht werden, die wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragbar sind. Oft werden Infektionskrankheiten durch Insekten, wie Stechmücken, übertragen, die aufgrund der Klimaänderungen auch schon in Deutschland nachgewiesen werden konnten. Die Erforschung von Zoonosen dient dem Gesundheitsschutz von Mensch und Tier und ist daher von besonderer gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Bedeutung.

Gemäß dem „One Health“-Konzept arbeiten die Weltgesundheitsorganisation, die Weltorganisation für Tiergesundheit, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sowie die Global Alliance for Rabies Control als „United Against Rabies Collaboration“ im Rahmen der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen an einem gemeinsamen Aktionsplan „Zero by 30“, um die Hundetollwut und die durch sie verursachten menschlichen Opfer zu stoppen. Auch werden schon in einigen Ländern gemeinsame Ausbildungsmaßnahmen für den Human-, Tier- und den Umweltbereich durchgeführt, um Krankheitsbekämpfung über alle drei Bereiche zu optimieren. Zukünftig wird die Forschungsförderung verstärkt Implementierungsforschung und Public Health-Aspekte in Entwicklungs- und Schwellenländern in den Blick nehmen.

Nationale Forschung bündeln

Das „Nationale Forschungsnetz zoonotische Infektionskrankheiten“ vernetzt Forschungsverbünde, Nachwuchsgruppen und Einzelprojekte, die zwischen Tieren und Menschen übertragbare Krankheiten erforschen. Die Vernetzung der Forschenden trägt auch dazu bei, plötzliche Krankheitsausbrüche durch Notfallmaßnahmen künftig schneller beherrschen zu können.

Nationales Forschungsnetz zoonotischeInfektionskrankheiten

Als übergeordnete Struktur für die Zoonosenforschung führt die „Nationale Forschungsplattform für Zoonosen“ die Zoonosenforscherinnen und -forscher in Deutschland zusammen.

Nationale Forschungsplattform für Zoonosen

und www.zoonosen.net.

Das vom BMBF gegründete Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) vereinigt die Aktivitäten von Universitäten, Bundesforschungseinrichtungen und außeruniversitären Instituten unter einem Dach. So können groß angelegte Infektionsforschungsprojekte gemeinsam effektiv durchgeführt werden. Das Zentrum widmet sich vordringlichen Themen der Infektionsforschung, wie zum Beispiel auch der Forschung zu antimikrobiellen Resistenzen in mehreren Abteilungen. Im Bereich der vernachlässigten und armutsassoziierten Krankheiten wird an Malaria, AIDS und Tuberkulose geforscht. Gemeinsam mit afrikanischen Partnerinstituten baut das DZIF in Afrika Forschungskapazitäten auf, die für den Kampf gegen diese Krankheiten und bei Ausbrüchen neuartiger Infektionen wie Ebola wichtig sind.

Wissenschaftlichen Nachwuchs in der Infektionsforschung stärken

Um Erkenntnisse zur Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten zu generieren und Innovationen für die klinische Praxis zu entwickeln, muss die wissenschaftliche Basis in Deutschland in der Infektionsforschung gestärkt werden. Zu diesem Ziel fördert das BMBF den Karriereweg qualifizierter Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in der klinischen und anwendungsorientierten Infektionsforschung. Die Förderung von Nachwuchsgruppen in der Infektionsforschung soll dem besonders geeigneten wissenschaftlichen Nachwuchs die Möglichkeit geben, sich im Wissenschaftssystem zu etablieren und dazu beitragen, die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern in der Infektionsforschung zu stärken.

Internationale Zusammenarbeit ausbauen

Die zukünftige Infektionsforschung muss vielfältigen Anforderungen genügen: Die Wirkstoffentwicklung gegen noch nicht (hinreichend) behandelbare Erreger, der Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen und die weitere Erforschung zoonotischer Infektionskrankheiten müssen verstärkt mit der Forschung zur Ausbruchsprävention und -bekämpfung sowie Implementierungsforschung Hand in Hand gehen. Um mit den vorhandenen Ressourcen die bestmöglichen Erfolge zu erzielen, müssen interdisziplinäre Kooperationen sowohl auf nationaler Ebene als auch in internationaler Zusammenarbeit intensiviert werden.

Der globalen Bedrohung durch Antibiotika-Resistenzen widmet sich auch eine europäische Initiative der gemeinsamen Programmplanung (JPI): Die „Joint Programming Initiative on Antimicrobial Resistance“ (JPIAMR) verknüpft Forschungsansätze zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen.

Geförderte Projekte - Internationale Kooperation - JPI AMR 2019 - 2022

Die Produktentwicklungspartnerschaft „Global Antibiotic Research & Development Partnership“ (GARDP) beschäftigt sich mit Innovationen für Krankheiten mit antimikrobiellen Resistenzen vor allem im Bereich der öffentlichen Gesundheit.

Mit der Gründung des Global Antimicrobial Resistance Research and Development Hub (Global AMR R&D Hub), einer internationalen Plattform zur Forschungskoordination und -intensivierung, wurde zudem die Forschung zu antimikrobiellen Resistenzen auf eine globale Ebene gehoben. Der Global AMR R&D Hub bringt Regierungen und große Fördermittelgeber unterschiedlicher Weltregionen zusammen, um sich auf politischer Ebene zum Thema Forschung und Entwicklung zu antimikrobiellen Resistenzen gegenseitig zu informieren und zu koordinieren.

Geförderte Projekte - Internationale Kooperation - Global AMR R&D Hub

Epidemien frühzeitig stoppen

Das Ziel der vom BMBF unterstützten Coalition for Epidemic Peparedness Innovations (CEPI) ist, Epidemien zu stoppen, bevor großflächige Gesundheitskrisen entstehen. CEPI entwickelt Impfstoffe gegen Erreger, die gefährliche Epidemien verursachen können. Die Impfstoffe sollen schnell einsatzbereit sein, um humanitäre Katastrophen künftig besser verhindern zu können.

Im Fokus der Initiative stehen Krankheiten, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als mögliche, künftige Pandemien identifiziert hat. Diese Krankheiten bieten den Pharmakonzernen kaum wirtschaftliche Anreize, die hohen Entwicklungskosten für Impfstoffe zu übernehmen. Hier ist daher die öffentliche Förderung durch die internationale Gemeinschaft gefragt.

CEPI ist eine öffentlich-private Partnerschaft aus Staaten, Stiftungen und Unternehmen der pharmazeutischen Industrie. Das BMBF stellt zur Unterstützung der Initiative ab 2017 vorrausichtlich 90 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre für CEPI bereit.

Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI)

Die „Global Research Collaboration for Infectious Disease Preparedness” (GloPID-R) ist eine Plattform zur Kollaboration von internationalen Forschungsförderern, um im Falle des Ausbruchs einer Epidemie schnell und unkompliziert Forschungsantworten initiieren zu können. So sollen so im Ausbruchsfall die exzellenten Forschungsinstitutionen informiert und schnell und in einer konzertierten Weise die relevanten Forschungsfragen adressieren können. In GloPID-R werden hierzu die fördertechnischen Rahmenbedingungen geschaffen.

Global Research Collaboration for Infectious Disease Preparedness (GloPID-R)